Grundgesetz Artikel 7 | Meinungsfreiheit

In unserer Verfassung ist festgelegt, worauf alle Bürger Anspruch haben. Und auch: Welche Regeln für ein gutes Zusammenleben gelten. Menschen, die in Apeldoorn leben oder arbeiten, erzählen, was dieses Gesetz in ihrem Alltag bedeutet. Diesmal: der ehemalige Nachrichtensprecher, Reporter und Autor Gijs Wanders über Artikel 7.

“In Mittelamerika habe ich erfahren, dass Freiheit keineswegs selbstverständlich ist”
Gijs Wanders
Gijs Wanders, ehemaliger Nachrichtensprecher, Reporter und Autor. Fotograf: Paul Grefkens

‘In den Niederlanden darf man sagen und schreiben, was man denkt’

“Als Kind träumte ich davon, Schriftsteller zu werden und auf Entdeckungsreise zu gehen. Es war also nicht verwunderlich, dass ich Journalist wurde. Das bot mir die Möglichkeit, viel zu reisen und neue Dinge zu entdecken. Ich merkte schon bald, dass viele Menschen besondere Geschichten zu erzählen haben, von denen andere lernen können. Und ich sah auch, dass die Welt anders beschaffen war, als ich es mir als naiver Westler vorgestellt hatte.”

“Meine erste Weltreise hat meine Sicht auf die Freiheit geprägt. In Mittelamerika habe ich gesehen, dass es bei weitem nicht überall Meinungsfreiheit gibt. In El Salvador wurden demonstrierende Studenten erschossen. In den Straßen Nicaraguas war die Angst vor dem Regime spürbar. Als Journalist musste ich dieses Unrecht anprangern und den Opfern eine Stimme geben. Deshalb reiste ich häufiger in Länder, in denen Krieg und Unterdrückung herrschten.”

“Jedes Mal, wenn ich in die freien Niederlande zurückflog, war das wirklich das Paradies. Aber das hat sich in den letzten Jahren geändert. Es gibt mehr Misstrauen und Intoleranz. Soziale Medien spielen dabei eine große Rolle. Die Menschen diskutieren nicht mehr miteinander, sondern schließen sich gegenseitig aus. Natürlich darf man sagen, was man denkt. Aber dazu gehört auch gegenseitiger Respekt und dass man einander wirklich zuhört. Die Lösung liegt vor allem bei uns selbst.”

“Jetzt, da ich 73 bin, wird meine Rolle als Journalist immer kleiner. Ich sehe mich eher als Vater und Großvater. Für mich stellt sich nun die Frage, wie meine Tochter – die eine Behinderung hat – sie selbst sein kann. Wie sie sich ausdrücken und in unserer Gesellschaft Respekt erfahren kann. Und wie mein Enkelsohn zu jemandem heranwachsen kann, der diese Gesellschaft ein Stückchen schöner machen kann. Ein Land, in dem Platz für tausend Meinungen ist.”