Seit dem Mord an der 17-jährigen Lisa im vergangenen Monat steht Gewalt gegen Frauen ganz oben auf der gesellschaftlichen Agenda. Die „Dolle Mina’s“ sind wieder voll im Einsatz. Und das zu Recht.
Denn es ist doch kaum zu glauben, dass sich die meisten Frauen abends regelmäßig auf der Straße unsicher fühlen. Dass mehr als die Hälfte der Frauen manchmal einen Umweg mit dem Fahrrad fährt, um bestimmte Orte zu meiden.
Noch erschütternder ist: Wenn Frauen Opfer von Gewalt werden, ist der Täter in den meisten Fällen ein Mann, den sie kennen. Ihr Ehemann, ihr Vater, ihr Nachbar, ihr Onkel, ihr Freund, ein Bekannter. Ein Mann, von dem niemand auf den ersten Blick so etwas vermuten würde.
Das ist eine schmerzhafte und schwierige Botschaft. So schwierig und schmerzhaft, dass es in der Debatte derzeit vor allem um andere Dinge geht. Um die Sicherheit im öffentlichen Raum. Um die Zulassung von Pfefferspray als Verteidigungswaffe. Um die Herkunft der Täter.
Aber worum es eigentlich gehen sollte, ist die Frage, warum Männer – denn die Täter sind meist Männer – glauben, dass sie so etwas tun dürfen. Warum immer noch sehr viele Menschen der Meinung sind, dass Frauen weniger wert sind als Männer. Und wie wir das ändern können.
Der Staat kann viel tun: Gesetze anpassen, Aus- und Fortbildung von Polizei und Justiz, Aufklärungskampagnen – um nur einige Beispiele zu nennen. Das muss unbedingt geschehen. Und zwar schnell.
Aber darüber hinaus müssen wir alle anpacken. Wir müssen aufhören, über Witze über Frauen zu lachen. Wir müssen aufhören zu sagen, dass Frauen Gewalt provozieren, wenn sie nachts oder in einem kurzen Rock auf die Straße gehen. Wir müssen aufhören, frauenfeindliche Schimpfwörter zu benutzen.
Denn auch solche Dinge schüren die Respektlosigkeit gegenüber Frauen.
Und genau darum geht es letztendlich, das ist es, was nötig ist: ein tief empfundener Respekt. Für jeden. Und somit auch für Frauen.
Ton Heerts
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