Grundgesetz Artikel 23 | Bildung

In unserer Verfassung ist festgelegt, worauf alle Bürger Anspruch haben. Und auch: Welche Regeln für ein gutes Zusammenleben gelten. Menschen, die in Apeldoorn leben oder arbeiten, erzählen, was dieses Gesetz in ihrem Alltag bedeutet. Diesmal: Ayse Bolat und Patty Goossens, Schulpflichtbeauftragte, über Artikel 23.

“Wir finden gemeinsam heraus, was ein Kind braucht”
Patty Goossens en Ayse Bolat
Patty Goossens (links) und Ayse Bolat (rechts), Schulpflichtbeauftragte. Fotograf: Rob Voss

‘Die Regierung sorgt für das Bildungswesen’

“Wenn es um Bildung geht, hört man oft den Begriff ‘Schulpflicht’. Wir sprechen lieber vom ‘Recht auf Bildung’. Jedes Kind hat ein Recht auf gute Bildung. Schließlich ist die Schule ein sehr wichtiger Ort: um Wissen zu erwerben, sich emotional weiterzuentwickeln und den Umgang mit anderen zu lernen. Dazu ist es allerdings notwendig, dass man sich in der Schule wohlfühlt. Dass die Atmosphäre gut ist und dass die Lehrer verstehen, was man braucht.” 

“Die Lehrer geben sich dabei oft größte Mühe. Dennoch gelingt es manchmal nicht, einen Draht zu einem Schüler zu finden. Das derzeitige Schulsystem passt einfach nicht zu allen Kindern. Wir sehen immer mehr Kinder mit einer Diagnose wie Hochbegabung oder Autismus. Und in all den Jahren, in denen wir diese Arbeit machen, hatten wir noch nie so viele Kinder mit psychischen Problemen.” 

“Es kommt regelmäßig vor, dass solche Kinder der Schule fernbleiben. Sie schwänzen oder werden oft als krank gemeldet. Das kann ein Anzeichen dafür sein, dass etwas nicht stimmt. In solchen Fällen kommen wir ins Spiel. Wir sprechen mit dem Kind und den Eltern: Warum willst du nicht zur Schule gehen? Manchmal wird jemand gemobbt, manchmal ist jemand niedergeschlagen, manchmal ist eine andere Unterrichtsform erforderlich.” 

“Womit kann man diesem Kind nun wirklich helfen? Das versuchen wir herauszufinden. Meistens tun wir das gemeinsam mit Lehrern und Fachkräften. Und natürlich mit den Eltern und dem Jugendlichen selbst. Man muss den Mut haben, kreativ zu denken. Kürzlich hatten wir einen Jungen, der superklug war, aber aufgrund einer chronischen Erkrankung fast nicht zur Schule gehen konnte. Für ihn haben wir eine andere Lernform gefunden. Und da war ein Mädchen, das in ihrer Ausbildung nicht weiterkam. Nach einem Schulwechsel blühte sie richtig auf. Dafür macht man das.”

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