“Ein Krankenhausaufenthalt ist für viele Menschen ein Moment, in dem das Leben kurz stillsteht. Vor allem, wenn er länger dauert – oder anders verläuft – als erwartet. All diese Eindrücke, die vielen Informationen, die Emotionen, die dabei eine Rolle spielen: Das geht einem sehr nahe. Als Seelsorgerin bin ich für die Patienten ein offenes Ohr. Bei mir können sie ihre Gedanken ordnen, Dampf ablassen oder einfach erzählen, was sie beschäftigt.”
“Die Freiheit der Menschen, zu denken, was sie wollen, ist für meine Arbeit von entscheidender Bedeutung. Die Menschen müssen den Freiraum spüren, ihre eigene Geschichte zu erzählen. In meinen Gesprächen mit ihnen geht es oft um heikle Fragen. Warum passiert mir das? Wozu dient dieses Leiden? Solche Fragen berühren den Sinn des Lebens: Wie passt das, was mir widerfährt, in meine Lebensgeschichte und meine Lebensauffassung?”
“Ich bin davon überzeugt, dass die Glaubens- und Gedankenfreiheit notwendig ist, um sich entfalten zu können. Es muss Raum für die eigenen Werte und Überzeugungen geben – und Raum, diese zu ändern. Denn man ist eigentlich nie fertig. Man kann sich bis zum Moment des Todes weiterentwickeln. Es gibt immer die Chance, zu wachsen, auch in der Krankheit. Das ist, glaube ich, die Hoffnung, die ich als Seelsorgerin in mir trage.”
“In unserer Gesellschaft haben Menschen manchmal Angst vor den Überzeugungen anderer. Der Schlüssel in meiner Arbeit liegt jedoch gerade darin, neugierig auf die Sichtweise eines anderen zu sein. Gerade wenn jemand ganz anders denkt oder glaubt als ich selbst, möchte ich ihn oder sie besser kennenlernen und verstehen. Ich stelle immer wieder fest, dass man dadurch lernt, Menschen differenzierter zu betrachten. Wenn man die Verbindung sucht, kann man sich gegenseitig wirklich bereichern.”